Das Science-Fiction-Spiel "Zillion" gehört auf Segas Master
System zu den Urgesteinen und dürfte jedem noch so sporadischen Gelegenheitsspieler
der damaligen 8-Bit-Zeit ein Begriff sein. Mit einem Agentenszenario im
Anime-Stil erinnert es etwas an populäre japanische Zeichentrickgrößen
wie "Captain Future" oder "Saber Raider". Dies ist
auch kein Zufall, denn das Spiel wurde zusammen mit einer gleichnamigen
Zeichentrickserie von Tatsunoko veröffentlicht, bei der es um drei
geheimnisumwitterte Zillion-Pistolen geht, die in den Händen dreier
mutiger Streiter für Recht und Ordnung in der Galaxie sorgen. Obwohl
in Japan durchaus erfolgreich, hat die Serie es nie nach Europa geschafft,
auch wenn das Spiel gute Erfolge bei uns verbuchen konnte.
Als Spezialagent JJ und einer der drei Zillion-Träger muss man
eine feindliche Norsa-Basis auf dem Planeten X infiltrieren, dabei fünf
mit geheimen Dokumenten bespielte Disketten auffinden und zu guter Letzt
den ganzen Komplex in die Luft jagen. Nebenbei darf man auch noch nach
seinen verschwundenen Kameraden Apple und Champ Ausschau halten, die
bei ihren Einsätzen gefangen wurden. Es gibt also reichlich zu
tun.
Zu Beginn der Mission bekommt man zehn vierstellige Codes ausgehändigt,
mit denen sich die technischen Einrichtungen der feindlichen Anlage
beeinflussen lassen. Die Zillion-Pistole fest in der Hand verlässt
man das Mutterschiff und betritt die sich tief ins Planeteninnere erstreckende
labyrinthartige Basis mit einem Aufzug. Einmal drin, muss man sich zunächst
eine ID-Karte besorgen, um Zugriff auf die überall vorhandenen
Terminals zu erhalten. Man findet eine in einem der zahlreichen Behälter,
die in jedem Raum zu sehen sind. Das Hauptaugenmerk des Spieles liegt
auf dem Durchsuchen dieser Behälter. Dabei entdeckt man in fast
allen Räumen vier Schlüsselcodes. Diese muss man sich gut
merken, um sie mittels ID-Karte in die Rechner eingeben zu können.
Die Reihenfolge spielt dabei keine Rolle. Auf diese Weise öffnet
man verschlossene Türen und aktiviert Aufzüge und macht somit
weitere Bereiche der Basis zugänglich. Erschwert wird das ganze
Unterfangen durch patrouillierende Soldaten, Selbstschussanlagen, Laserbarrieren
und alarmauslösende, ohne Infrarotbrille unsichtbare Lichtschranken.
Die oft störend und ungünstig installierten Einrichtungen
lassen sich mittels der am Anfang erhaltenen Codes kurzzeitig ausschalten.
Die Sabotage sollte man sich aber immer gut überlegen, da im Gegensatz
zu den gefundenen autorisierten Schlüsselcodes die ID-Karte vom
Rechner einbehalten wird. Findet man sich durch zu häufiges Sabotieren
ohne eine einzige ID-Karte wieder, ist man in der Regel hoffnungslos
verloren.
Nachdem ich mich das erste Mal ernsthaft mit "Zillion" beschäftigt
hatte, musste ich automatisch an "Impossible Mission" von
Epyx denken. Beide Spiele haben die Durchsuchung eines unterirdischen
Gebäudekomplexes mit anschließendem Computereinsatz sowie
der Möglichkeit der Manipulation gemeinsam. Sega hat sich tatsächlich
an diesem westlichen Klassiker orientiert, im Endeffekt aber viele eigene
Akzente gesetzt, so dass von einem Duplikat nicht die Rede sein kann.
JJ steht unter keinem Zeitdruck, kann bei Verlust seiner gesamten Lebensenergie
jedoch sterben. Diese kann bei Bedarf jederzeit im Mutterschiff wieder
aufgeladen werden, was am Anfang durchaus viel Sinn macht. Im Laufe
des Spieles findet man aber auch einige nützliche Power up´s,
die nicht nur JJ´s Lebensenergie und Widerstandskraft verbessern,
sondern ihn höher springen lassen oder die Feuerkraft der Zillion-Pistole
verstärken. Diese Parameter wurden bei der Gestaltung der einzelnen
Spielabschnitte berücksichtigt und beeinflussen den Spielverlauf
erheblich, indem beispielsweise einige Behälter erst mit stärkerer
Feuerkraft geöffnet werden können. Nachdem man seine Kameraden
befreit hat, darf jederzeit zwischen ihnen gewechselt werden, was aufgrund
ihrer unterschiedlichen Statuswerte noch leichte zusätzliche taktische
Überlegungen mit einfließen lässt. Darüber hinaus
bietet das Spiel einfach mehr Action, schon alleine durch die Tatsache,
dass man hier schießen kann.
Der Schwierigkeitsgrad des Spieles ist hoch, was sich vordergründig
im verzweigt angelegten Labyrinthkomplex äußert. Man wird
wirklich viele Anläufe benötigen, um sich ein vollständiges
Bild von der Anlage machen zu können. Bleistift und Papier können
hierbei recht hilfreich sein. :) Die Schlüsselcodes braucht man
sich aber nicht zu notieren, da sie nach dem Zufallsprinzip jedes Mal
neu generiert werden. So muss man zwangsläufig bei jedem Neustart
alle Behälter wieder prüfen. "Zillion" ist nicht
nur sehr anspruchsvoll, sondern seiner Zeit etwas voraus. Oft wird es
als Segas Antwort auf "Metroid" gebrandmarkt, was ich jedoch
nicht nachvollziehen kann. Ein direkter Zusammenhang der beiden Spiele
findet sich eigentlich bloß in der recht großen Bewegungsfreiheit,
und ansonsten in kleinen Details, die auf viele andere Spiele ebenso
passen würden.
Nach mehr als 20 Jahren wirkt "Zillion" technisch recht veraltet,
spielt sich aber nach wie vor hervorragend. Die Grafik ist noch recht
bunt, die etwas hölzern wirkenden Animationen sind noch ansehnlich.
Die Spielcharaktere können nicht nur laufen und springen, sondern
auch robben, was eindeutig über dem damaligen Standard liegt. Geflacker
kommt nur selten vor. Dafür muss man auf ein Scrolling verzichten,
hier wird ein Bild nach dem anderen eingeblendet. So war es damals eben.
Musikalisch wird nur eine einzige Melodie geboten, die mir jedoch trotz
mehrstündiger Sitzungen nie negativ auffiel. Besser geht natürlich
immer, da es sich aber hierbei um eines der ältesten SMS-Spiele
handelt, darf man nicht zu viel erwarten. Hauptsache der Spaß
stimmt, und davon ist hier reichlich vorhanden. Während mir "Metroid",
um beim letzten Vergleich zu bleiben, heute nur noch ein müdes
Gähnen abgewinnt, vermag mich "Zillion" immer wieder
aufs Neue zu motivieren. Zwischen den beiden Spielen liegen Welten,
eindeutig zu Segas Vorteil. Und das sage ich hier als ein großer
Fan von Nintendos Kopfgeldjägerin. Da es zudem noch nicht so extrem
frustrierend wie "Impossible Mission" ist, steht der vollen
Punktzahl nichts im Wege. Immerhin reden wir hier vom anspruchsvollsten
und wohl besten Spiel für das Master System. ;)
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