Breath of Fire 2
RPG

Minrod
Juni 08
 

Mit der Fortsetzung zu "Breath of Fire" brachte Capcom 1994 einen weiteren knallbunten Bonbon japanischer Rollenspielkunst auf den Markt. Dem ersten Teil stark nacheifernd, wurde das Spiel nur mit einigen neuen zuckersüßen Zutaten verfeinert, die es sofort zu einem der beliebtesten Rollenspiele für das Super Nintendo avancieren ließen. Im Gegensatz zum Vorgänger erfreute sich "Breath of Fire 2" trotz einer Wartepause von fast zwei Jahren auch einer PAL-Umsetzung, die jedoch nur mit englischen Texten aufwartete und somit nicht jedermanns Begeisterung hervorrufen konnte. Dies trifft auch auf die Neuveröffentlichung für den Game Boy Advance zu, die nur einer dezenten grafischen Aufpolierung unterzogen und selbstverständlich mit einer für den mobilen Einsatz zeitgemäßen Quick-Save-Funktion versehen wurde.

Die Handlung des Spieles unterscheidet sich nicht allzu stark vom Vorgänger. Der Drachenkämpfer Ryu sucht seinen Platz in der Welt, nachdem er während seiner Kindheit von seiner Familie getrennt und auf mysteriöse Weise aus dem Gedächtnis seiner Mitmenschen ausradiert wurde. Zusammen mit seinem besten Freund, dem Schützen Bow, fristet er ein Leben als Strolch und Abenteurer. Die Ereignisse überschlagen sich jedoch, als Bow eines Verbrechens beschuldigt wird, das er nicht begangen hat. Während der darauf folgenden Suche nach dem wahren Täter wird Ryu mit beunruhigenden Ereignissen konfrontiert, deren Auslöser bösartige Dämonen sind. Sich von schlechten Gedanken der Menschen nährend, wurden sie zur Realität und künden den bevorstehenden Untergang der Welt an. Dass es dies zu verhindern gilt, liegt wohl auf der Hand, zumal Ryus Vergangenheit im direkten Zusammenhang mit den düsteren Vorgängen zu stehen scheint.

In seiner schwersten Stunde kann Ryu sich glücklicherweise auf die Hilfe seiner Freunde verlassen, die, für die Reihe charakteristisch, vorwiegend unterschiedlichsten Tieren nachempfunden sind. So gibt es neben dem bereits erwähnten hundeähnlichen Bow, der, immer um Ryus Wohlergehen besorgt, den besten Heiler abgibt, Unterstützung durch das hitzige Kätzchen Katt, den unheimlich muskulösen Giganten Rand, die verbannte Windia-Prinzessin Nina, den schleimigen Frosch-Edelmann Jean, den Affen-Kämpfer Sten sowie den Grassmenschen Spar. Optional lässt sich auch noch Bleu, die schlangenähnliche Magierin aus dem ersten Teil rekrutieren. Alle Charaktere zeichnen sich durch unterschiedliche Begabungen, sowohl im Kampf wie auch auf der Weltkarte, aus, die sie in gegebenen Situationen unverzichtbar machen. Beispielsweise lassen sich mit Hilfe Stens langer Arme unüberwindbare Schluchten überbrücken, während Spar als Führer die Begehung ansonsten unzugänglicher Wälder ermöglicht.

Die Ausarbeitung der einzelnen Charaktere ist jedoch nicht allzu umfassend, so dass man sich mit Ihnen nicht wirklich zu identifizieren vermag. Auch die Handlung der schönen, aber eher unspektakulären Story lässt einige Wünsche offen. In der Regel wird man von Punkt A über Punkt B und C zum Punkt D gehetzt, um einen bestimmten Gegenstand aufzutreiben, der am Punkt A zum Weiterkommen benötigt wird. Die Hinweise zur Lösung der Suche sind dabei so spärlich, dass man oft nicht weiß, wo und wie es weitergehen soll. Die Schauplätze sind jedoch vielfältig und manchmal auch sonderbar, wie zum Beispiel der Körper einer schwergewichtigen Prinzessin, den man von angriffslustigen Fettzellen befreien muss. ^^ Und damit sind wir schon wieder bei den Kämpfen, ohne die kein Rollenspiel auskommt. Wie es sich für ein klassisches Spiel dieser Art geziemt, finden sie in "Breath of Fire 2" zufällig und rundenbasierend statt. In wunderschön gestalteten isometrischen Kampfbildschirmen dürfen sich Ryus vierköpfige Mannschaft und die Gegner gegenseitig die Köpfe einschlagen. Mit makellosen Kampfanimationen und vor Effekten sprühenden Zaubern sind sie ein echter Blickfang. Der Schwierigkeitsgrad der Kämpfe ist tadellos ausbalanciert, erfordert an manchen Stellen jedoch den Einsatz bestimmter Charaktere. Besonders bei den Endgegnerkämpfen, die ansonsten recht hart werden können.

Richtige Neuerungen gegenüber der Vorlage stellen einige Nebenquests dar. Das bereits bekannte Angeln und Jagen, das hartnäckige Jäger und Sammler mit seltenen Items belohnt, wurde bereits vom Vorgänger, natürlich in etwas verbesserter Form, übernommen. Der Aufbau einer eigenen Stadt wurde dagegen frisch eingeführt und bietet eine interessante Abwechslung. Um die Stadt wachsen zu lassen, müssen auf der gesamten Welt Bewohner mit besonderen Fähigkeiten angeworben werden. Bei Erfolg lassen sie sich in der Stadt nieder, öffnen Geschäfte mit besonderen Gütern oder bieten diverse Dienstleistungen an. Auch das Aussehen der Stadt kann durch die Wahl des Zimmermanns beeinflusst werden. Schafft man es sogar die Stadt zum Fliegen zu bringen, darf man zu guter Letzt einen besonders positiven Abspann genießen. Die Möglichkeit, bestimmte Entscheidungen treffen zu können und somit unterschiedliche Ausgänge des Abenteuers zu erzielen, kommt dem Spiel in Bezug auf die Langzeitmotivation sehr zu Gute. Nicht alle Entscheidungen sind jedoch von tragender Reichweite, manche variieren nur den Schwierigkeitsgrad, indem sie die Gruppe zu unnötigen Kämpfen zwingen oder sie elegant umgehen lassen. Einige Entscheidungen sind sogar nicht direkt offensichtlich und hängen vom Verhalten in bestimmten Situationen ab. Die letzte wichtige Neuerung stellen die Schamanen dar. Die sechs weiblichen Schamanen können in bestimmten Kombinationen mit den Charakteren fusionieren, um ihre Kräfte zu verstärken. In besonders günstigen Fällen verändern sie sogar das komplette Aussehen des jeweiligen Charakters. Dies spiegelt sich in neuen und besonders starken Kampftechniken wider, die besonders erstrebenswert sind. Ryu als Hauptheld ist als einziger von der Fusion ausgeschlossen, da er mit der Befähigung mehrere Drachengestalten anzunehmen sowieso an Stärke nicht zu überbieten ist.

Alles in allem weist "Breath of Fire 2" nur geringfügige Schwächen auf, zu denen noch zusätzlich die unauffällige Musikkulisse gezählt werden darf. Sie werden jedoch durch das absolut überragende Charakterdesign im Anime-Stil sowie die tolle, durch die Grafik erzeugte Atmosphäre größtenteils ausgeglichen. Ich habe mich derart in das Spiel vertieft, dass die 40 Stunden Spielzeit wie im Flug vergingen. Deshalb vergebe ich trotz der Defizite die volle Wertung. Erfahrene Rollenspieler werden mir diesbezüglich ganz sicher Recht geben, denn nicht umsonst ist das Spiel auch in der Neuauflage für den Game Boy Advance mittlerweile nur noch schwierig aufzutreiben.