Mit der Fortsetzung zu "Breath of Fire" brachte Capcom 1994
einen weiteren knallbunten Bonbon japanischer Rollenspielkunst auf den
Markt. Dem ersten Teil stark nacheifernd, wurde das Spiel nur mit einigen
neuen zuckersüßen Zutaten verfeinert, die es sofort zu einem
der beliebtesten Rollenspiele für das Super Nintendo avancieren ließen.
Im Gegensatz zum Vorgänger erfreute sich "Breath of Fire 2"
trotz einer Wartepause von fast zwei Jahren auch einer PAL-Umsetzung,
die jedoch nur mit englischen Texten aufwartete und somit nicht jedermanns
Begeisterung hervorrufen konnte. Dies trifft auch auf die Neuveröffentlichung
für den Game Boy Advance zu, die nur einer dezenten grafischen Aufpolierung
unterzogen und selbstverständlich mit einer für den mobilen
Einsatz zeitgemäßen Quick-Save-Funktion versehen wurde.
Die Handlung des Spieles unterscheidet sich nicht allzu stark vom Vorgänger.
Der Drachenkämpfer Ryu sucht seinen Platz in der Welt, nachdem
er während seiner Kindheit von seiner Familie getrennt und auf
mysteriöse Weise aus dem Gedächtnis seiner Mitmenschen ausradiert
wurde. Zusammen mit seinem besten Freund, dem Schützen Bow, fristet
er ein Leben als Strolch und Abenteurer. Die Ereignisse überschlagen
sich jedoch, als Bow eines Verbrechens beschuldigt wird, das er nicht
begangen hat. Während der darauf folgenden Suche nach dem wahren
Täter wird Ryu mit beunruhigenden Ereignissen konfrontiert, deren
Auslöser bösartige Dämonen sind. Sich von schlechten
Gedanken der Menschen nährend, wurden sie zur Realität und
künden den bevorstehenden Untergang der Welt an. Dass es dies zu
verhindern gilt, liegt wohl auf der Hand, zumal Ryus Vergangenheit im
direkten Zusammenhang mit den düsteren Vorgängen zu stehen
scheint.
In seiner schwersten Stunde kann Ryu sich glücklicherweise auf
die Hilfe seiner Freunde verlassen, die, für die Reihe charakteristisch,
vorwiegend unterschiedlichsten Tieren nachempfunden sind. So gibt es
neben dem bereits erwähnten hundeähnlichen Bow, der, immer
um Ryus Wohlergehen besorgt, den besten Heiler abgibt, Unterstützung
durch das hitzige Kätzchen Katt, den unheimlich muskulösen
Giganten Rand, die verbannte Windia-Prinzessin Nina, den schleimigen
Frosch-Edelmann Jean, den Affen-Kämpfer Sten sowie den Grassmenschen
Spar. Optional lässt sich auch noch Bleu, die schlangenähnliche
Magierin aus dem ersten Teil rekrutieren. Alle Charaktere zeichnen sich
durch unterschiedliche Begabungen, sowohl im Kampf wie auch auf der
Weltkarte, aus, die sie in gegebenen Situationen unverzichtbar machen.
Beispielsweise lassen sich mit Hilfe Stens langer Arme unüberwindbare
Schluchten überbrücken, während Spar als Führer
die Begehung ansonsten unzugänglicher Wälder ermöglicht.
Die Ausarbeitung der einzelnen Charaktere ist jedoch nicht allzu umfassend,
so dass man sich mit Ihnen nicht wirklich zu identifizieren vermag.
Auch die Handlung der schönen, aber eher unspektakulären Story
lässt einige Wünsche offen. In der Regel wird man von Punkt
A über Punkt B und C zum Punkt D gehetzt, um einen bestimmten Gegenstand
aufzutreiben, der am Punkt A zum Weiterkommen benötigt wird. Die
Hinweise zur Lösung der Suche sind dabei so spärlich, dass
man oft nicht weiß, wo und wie es weitergehen soll. Die Schauplätze
sind jedoch vielfältig und manchmal auch sonderbar, wie zum Beispiel
der Körper einer schwergewichtigen Prinzessin, den man von angriffslustigen
Fettzellen befreien muss. ^^ Und damit sind wir schon wieder bei den
Kämpfen, ohne die kein Rollenspiel auskommt. Wie es sich für
ein klassisches Spiel dieser Art geziemt, finden sie in "Breath
of Fire 2" zufällig und rundenbasierend statt. In wunderschön
gestalteten isometrischen Kampfbildschirmen dürfen sich Ryus vierköpfige
Mannschaft und die Gegner gegenseitig die Köpfe einschlagen. Mit
makellosen Kampfanimationen und vor Effekten sprühenden Zaubern
sind sie ein echter Blickfang. Der Schwierigkeitsgrad der Kämpfe
ist tadellos ausbalanciert, erfordert an manchen Stellen jedoch den
Einsatz bestimmter Charaktere. Besonders bei den Endgegnerkämpfen,
die ansonsten recht hart werden können.
Richtige Neuerungen gegenüber der Vorlage stellen einige Nebenquests
dar. Das bereits bekannte Angeln und Jagen, das hartnäckige Jäger
und Sammler mit seltenen Items belohnt, wurde bereits vom Vorgänger,
natürlich in etwas verbesserter Form, übernommen. Der Aufbau
einer eigenen Stadt wurde dagegen frisch eingeführt und bietet
eine interessante Abwechslung. Um die Stadt wachsen zu lassen, müssen
auf der gesamten Welt Bewohner mit besonderen Fähigkeiten angeworben
werden. Bei Erfolg lassen sie sich in der Stadt nieder, öffnen
Geschäfte mit besonderen Gütern oder bieten diverse Dienstleistungen
an. Auch das Aussehen der Stadt kann durch die Wahl des Zimmermanns
beeinflusst werden. Schafft man es sogar die Stadt zum Fliegen zu bringen,
darf man zu guter Letzt einen besonders positiven Abspann genießen.
Die Möglichkeit, bestimmte Entscheidungen treffen zu können
und somit unterschiedliche Ausgänge des Abenteuers zu erzielen,
kommt dem Spiel in Bezug auf die Langzeitmotivation sehr zu Gute. Nicht
alle Entscheidungen sind jedoch von tragender Reichweite, manche variieren
nur den Schwierigkeitsgrad, indem sie die Gruppe zu unnötigen Kämpfen
zwingen oder sie elegant umgehen lassen. Einige Entscheidungen sind
sogar nicht direkt offensichtlich und hängen vom Verhalten in bestimmten
Situationen ab. Die letzte wichtige Neuerung stellen die Schamanen dar.
Die sechs weiblichen Schamanen können in bestimmten Kombinationen
mit den Charakteren fusionieren, um ihre Kräfte zu verstärken.
In besonders günstigen Fällen verändern sie sogar das
komplette Aussehen des jeweiligen Charakters. Dies spiegelt sich in
neuen und besonders starken Kampftechniken wider, die besonders erstrebenswert
sind. Ryu als Hauptheld ist als einziger von der Fusion ausgeschlossen,
da er mit der Befähigung mehrere Drachengestalten anzunehmen sowieso
an Stärke nicht zu überbieten ist.
Alles in allem weist "Breath of Fire 2" nur geringfügige
Schwächen auf, zu denen noch zusätzlich die unauffällige
Musikkulisse gezählt werden darf. Sie werden jedoch durch das absolut
überragende Charakterdesign im Anime-Stil sowie die tolle, durch
die Grafik erzeugte Atmosphäre größtenteils ausgeglichen.
Ich habe mich derart in das Spiel vertieft, dass die 40 Stunden Spielzeit
wie im Flug vergingen. Deshalb vergebe ich trotz der Defizite die volle
Wertung. Erfahrene Rollenspieler werden mir diesbezüglich ganz
sicher Recht geben, denn nicht umsonst ist das Spiel auch in der Neuauflage
für den Game Boy Advance mittlerweile nur noch schwierig aufzutreiben.
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