Bomberman´93
Geschicklichkeit

Minrod
November 07
 

Die folgenden Zeilen möchte ich dem wohl berühmtesten und bekanntesten Brandstifter in der gesamten Videospielgeschichte widmen. Einem kleinen, aber hochexplosiven Pyromanen, dessen Neigung zur mutwilligen Zerstörung der Umgebung mit allerhand gefährlichen Sprengstoffen legendär ist. Mit der lebenslangen Lizenz zum Bomben heizt er bereits seit der 8-Bit-Ära alle gängigen Computer und Spielkonsolen kräftig auf. Unermüdlich geht er dabei zu Werke, sprengt Feind und Freund und manchmal sogar sich selbst in die Luft. Hauptsache das Feuerwerk ist schön und der Spaß groß. Denn speziell darauf wurde der kleine Roboter von Hudson Soft programmiert. Wie man es nicht allzu schwer erraten kann, ist hier von keinem geringeren die Rede als von Bomberman!

Gegenstand dieser Zeilen ist das PC-Engine-Spiel Bomberman´93, mit dem ich mich in letzter Zeit exzessiv beschäftigt habe. Als zweites Bomberman-Spiel für die Engine ist es dem Ursprungsprinzip der Reihe noch ganz treu. Das heißt, man findet hier genau das vor, was man bereits aus allen vorhergegangenen Bomberman-Spielen kennt. In sieben Welten mit jeweils acht Spielabschnitten, die oft mehrere Bildschirme groß sind, müssen alle Gegner weggebombt werden. Sind diese Schrott und Asche, muss nur noch der Ausgang gefunden werden, sofern er nicht in der Hitze des Gefechts offenbart wurde. Mit dem vorhandenen Zeitlimit und den bekannten Items ist hier wirklich alles wie x-mal gehabt.

Weshalb sollte man sich also noch mit Bomberman´93 auseinandersetzen? Eine sehr berechtigte Frage, die ich nun aufgreifen möchte.

Die mangelnden Neuerungen dürften wohl die negative Seite im Wesentlichen abdecken. Positiv sind hier vor allem die farbenfrohen Spielabschnitte sowie die lustigen und abwechslungsreichen Endgegner. Das ohnehin schon putzige und drollige Spieldesign erzielt dadurch eine noch viel größere Anziehungskraft auf den Spieler. Bomberman´93 ist einfach herrlich anzusehen!

Der harte Schwierigkeitsgrad straft diese kinderfreundliche Optik aber Lügen. Vor allem in fortgeschrittenen Spielabschnitten wird die Geduld des normalsterblichen Spielers aufs Äußerste beansprucht. Man stelle sich vor, man beginnt das Spiel in einer zugemauerten Ecke und wird sofort mit einigen geradewegs auf einen zustrebenden Robotern konfrontiert. An sich eine übliche Bomberman-Situation, würden diese $%&$%-Roboter dem soliden Mauerwerk die ihm zustehende Ehrfurcht zollen. Aber nein, die unverschämten Blechbüchsen pfeifen auf die Ziegelsteine und gehen da einfach so hindurch, geradewegs auf unseren kleinen putzigen Bommelchen zu… UAAAHAAA… Schnief... Dies ist das Resultat von mindestens 20 solchen ausweglosen und unfairen Ausgangssituationen. In diesem Zusammenhang sollte ich noch erwähnen, dass die Spielabschnitte wie altbekannt nach jedem Lebensverlust per Zufallsprinzip komplett neu generiert werden. Ein günstiger Aufbau ist aber ganz sicher irgendwann mal dabei. Tapfere Bomberman-Liebhaber lassen sich davon allerdings nicht unterkriegen. Besonders schmerzlich wird es jedoch dann, wenn man in einem derartigen Level alle Feinde besiegt, um im Nachhinein aufgrund mangelnder Zeit bei der Ausgangssuche zu scheitern. Es ist mir sogar schon passiert, dass mir kurz vor dem aller-aller-allerletzten verpassten Mauerstück, hinter dem sich definitiv der Ausgang befinden musste, die Zeit abgelaufen ist. Die daraufhin erschienene unzerstörbare Monsterhorde hat mich umgehauen. Für so etwas braucht man aber schon sehr viel Pech. Nach solchen Erlebnissen muss man dem kleinen Bomberman einige Tage Pause gönnen. Den wirklich herausfordernden Schwierigkeitsgrad möchte ich weder positiv noch negativ bewerten. Ich als Bomberman-Fan finde dies gut, im Endeffekt muss dies aber jeder für sich selbst entscheiden. Besonders positiv in diesem Zusammenhang fällt jedoch die Sicherung des Spieles durch das Backup-System sowie ein alternatives Passwortsystem auf.

Mehr ist zu dem Spiel an sich nicht zu sagen. Storytechnisch geht es hier um die Verfolgung des diebischen schwarzen Bomberman, der als allerletzter Boss ganz schön fies ist. Der Ufo-Yeti am Ende der sechsten Welt ist gegen ihn wirklich ein kleines Würstchen. Und dabei gestaltet sich die Prügelei mit seiner bunten Motorrad-Gang sowie seinem Panzerwagen zunächst noch ganz einfach. Aber ich möchte mich jetzt nicht noch einmal über den Schwierigkeitsgrad des Spieles auslassen.

Wem kann man also Bomberman´93 mit reinem Gewissen empfehlen? Waschechten Bomberman-Fans und PC-Engine-Sammlern. Gelegenheitsspieler werden im 1-Player-Modus irgendwann sicherlich verzweifeln. Falls man aber noch kein Bomberman-Spiel in der Sammlung hat, kann man es sich wegen dem Standard-Multiplayer-Modus sicherlich anschaffen. Sofern man nicht mit Bomberman´94 liebäugelt, das den meisten Spielern mehr zusagen wird. Wieso es sich so verhält, möchtet ihr jetzt wissen? Übt euch etwas in Geduld und wartet den dazugehörigen Bericht ab. Spielt solange Bomberman´93, denn es ist, wenn auch extrem klassisch und unheimlich schwer, doch sehr gut.